Samstag, 23. November 2013
es beginnt mit frank
am dreiundzwanzigsten november,
dem achtundvierzigsten geburtstag von frank,
beginnt dieses gedicht.

ich weiß nicht,
ob frank lebt.
ich weiß, dass er gedichte schrieb.
wir beide schrieben mit siebzehn gedichte, die wir uns gegenseitig zeigten.

vor ein paar jahren bin ich die nackten stufen hochgegangen und stand vor seiner tür.
niemand machte auf.
letztes jahr schickte ich eine weihnachtskarte. keine antwort.

ich habe ein foto von frank.
er sitzt auf einem kunststoffstuhl und trägt einen kunststoffpullover.
seine unterarme liegen flach auf seinen oberschenkeln.
sein gesicht ist unscharf, die schwarzen haare geben ihm das aussehen eines gastarbeitersohnes.

in unseren gedichten spielten mädchen eine große rolle.
wir beide waren noch jungfrau, unsere sehnsucht bereit anzuhimmeln.
meine phantasien waren manchmal grausam. so wurde ein mädchen mehr und mehr zum idol.

in der stadt, in der frank lebt,
wenn er noch lebt,
ist meine mutter beerdigt.
ihr grab ist an einer hecke, direkt am weg,
der friedhof ist hübsch.
der mann, der ihr grab aushob, heißt grund.

in urlaubsklamotten stand ich im keller
des beerdigungsunternehmens an ihrem sarg.
ich fasste meine mutter, die noch keinen ganzen tag tot war, an. ihr körper war sehr fest,
ohne das leben darin wirkte er schwerer.
wir waren zu viert dort. was die anderen anhatten,
weiß ich nicht.

frank war nicht dabei. auf die todesanzeige keine
reaktion. auf der trauerfeier
hätte er vielleicht eine komische figur abgegeben. die mädchen aus den gedichten waren ebenfalls nicht da.


--fortsetzung folgt --

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Gedicht?
Isses nun ein Gedicht oder doch Prosa?

Ich finde, es is doch mehr prosaisch....

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